Stellungnahme – 1 Jahr Abschieung von Lame K.

Hier die gemeinsame Stellungnahme von uns (No Lager) und der Gambia Solidarität des Avanti e.V.:


Vor einem Jahr, am 28.01.2025, wurde Lame K. mit Polizeigewalt aus der geschlossenen Station des Ameos Klinikums Osnabrück herausgeholt und direkt nach Frankfurt gefahren. Von dort aus wurde er nach Gambia abgeschoben. Wir wollen an diesem Jahrestag auf die Situation von Lame in einem für ihn fremden Land aufmerksam machen, und noch einmal darauf verweisen, dass diese Abschiebung rechtswidrig war. Wir fordern die Rückholung von Lame nach Deutschland.

Lame wurde in Gambia geboren, lebte dort allerdings nicht lange. Er verließ Gambia im Alter von 12 Jahren, nachdem seine Eltern unter undokumentierten Umständen gestorben waren. Gambia war in dieser Zeit noch eine Autokratie, mit Verhaftungen von Regimegegner:innen, Gefängnis und Folter, und eben auch „Verschwinden“. Mit der Familie seines Onkels floh Lame nach Libyen. Hier wurde er 2009 inhaftiert und im Gefängnis gefoltert, worunter er bis heute sowohl psychisch als auch physisch leidet. Nach der Haftentlassung floh Lame 2013 weiter über das Mittelmeer nach Italien und gelangte von dort nach Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte.

Lame leidet unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, die hier in Deutschland behandelt wurde. Obwohl sein Asylersuchen nicht abschließend verhandelt wurde, bekam er Ende 2024 eine Aufforderung zur Ausreise. Dieses führte zu einer bedrohlichen Retraumatisierung, die ihn zunehmend suizidal machte. Im Januar 2025 wurde die Situation so schlimm, dass er sich freiwillig und auf Anraten seines Psychotherapeuten in das Ameos Klinikum begab.

Aus diesem geschützten Raum heraus wurde er mit polizeilicher Gewalt nach Gambia abgeschoben, die Einschätzung des Mediziners der Ausländerbehörde war, dass er reisefähig sei, dass seine Erkrankung nicht so bedrohlich sei, und dass er in Gambia weiter behandelt werden könne.
Lame wurde in eines der ärmsten Länder der Welt abgeschoben. Ein Land, dass er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hat, und in dem er weder Familie noch andere soziale Netzwerke hat. Für ihn ist alles fremd, und er findet sich schwer zurecht. Und es gibt keine adäquate medizinische Versorgung.

Ohne die Unterstützung aus Deutschland könnte er heute nicht überleben. Die Arbeitslosigkeit in Gambia ist extrem hoch, und es ist schon schwer einen Job zu finden, wenn man auf Kontakte zugreifen kann. Außerdem ist Lame immer noch physisch und psychisch krank. Lame muss wohnen und essen und er braucht Medikamente, die in Gambia sehr teuer sind. Er ist in diesem letzten Jahr bereits dreimal an Malaria erkrankt, da er keinen Immunschutz hat. Jedes Mal war ein Krankenhausaufenthalt notwendig, was immer mit hohen Kosten verbunden ist, da es keine Krankenversicherung gibt und auch sonst keine sozialen Hilfen von Seiten des Staates.

Wir fordern die Rückholung von Lame nach Deutschland und ein faires Asylverfahren. Bis das geschehen ist, brauchen wir dringend Spenden, um ihn weiter in Gambia unterstützen zu können.

Spendenkonto:
Avanti! e.V.
IBAN: DE 40 2655 0105 0000 6995 20
Stichwort: Lame